Werke im öffentlichen Raum in Besigheim

Altarfenster Katholische Heilig-Kreuz-Kirche (1961)

Das Fenster zeigt in der Mitte die Taufe Christi im Jordan durch Johannes den Täufer. Der Neckar- und Enzbote berichtet 1961 von einer „Farbsymphonie, getragen von den Grundtönen Blau und Gelb, abgestuft in vielen Schattierungen. (...) Der Künstler hat bewusst den Taufakt Christi in die Beziehung zum beginnenden Leidensweg gestellt, was durch das kreuzförmig angeordnete Wasser dargestellt ist. In tiefer Demut steht Christus unter dem taufenden Johannes und weist damit auf die Kardinaltugend des Christen hin.“

Aussegnungshalle Neuer Friedhof (1961/62)

Das 9,5 qm große Glasfenster an der Stirnseite der Aussegnungshalle wurde 1961 gestaltet. Es zeigt ein großes dunkles Kreuz vor scharlachrotem Hintergrund.
1962 wurde mit 760 Keramikkreuzen die Kreuz-Keramikwand hinzugefügt. Die Glasur ist ein Mittelton zwischen Grau, Braun und Grauviolett, welcher durch Rhythmisierung eine große, dem Raum angemessene Ruhe erzeugt.

Kirchenfenster Evangelische Stadtkirche (1967/68)

Die Formensprache des 20sten Jahrhunderts findet der Besucher an der Westseite der frühgotischen Stadtkirche. Die Orgel ist so angeordnet, dass der Blick auf die 1967/68 von Fred Stelzig gestalteten Kunstglasfenster fällt. Die Rosette zeigt in leuchtenden Farben die Buchstaben A und O, Alpha und Omega, Gott steht als Urheber und Vollender über unserem Leben und unserer Erde. Das 4,3 m hohe Giebelfenster darunter in farbiger Bleiverglasung verstärkt die Aussage durch „Kreuz und Auferstehung“.

Friedrich-Schelling-Grund- und Hauptschule (1969)

Der nüchterne, graue Sichtbeton am Eingang des Anfang 1969 bezogenen Neubaus der Hauptschule verlangte nach einer „farblich-heiteren Bereicherung“. In einem Akkord von Rot und Orange wurden für die aufwändig gestalteten und in mehreren Arbeitsgängen erstellten 93 Keramikplatten besonders leuchtende Glasuren verwendet. Das Ergebnis ist eine „... formale Komposition, in der symbolhaft das Einströmen von Lernenden, das Wachsen aus der Lehrzelle, das Bilden von Wissen aufklingt.“ (F. Stelzig)

Bildungszentrum Auf dem Kies

Für das Anfang der 70er Jahre konzipierte und schrittweise realisierte Bildungszentrum mit Gymnasium, Stadtbücherei und Realschule hat Fred Stelzig eine Gesamtkonzeption der künstlerischen Gestaltung vorgelegt und mit den Architekten Holstein und Frowein, Stuttgart, umgesetzt.

 

Christoph-Schrempf-Gymnasium (1972)
Hier belebt Fred Stelzig erstmals großflächig mit einer Holzreliefwand das Treppenhaus eines öffentlichen Gebäudes. Die Natur, ihre Strukturen und Früchte, werden farbenfroh dargestellt. Als Ergänzung schenkt Stelzig der Schule das Acrylbild „Dahinter“, eine formale Komposition mit dem assoziativen Motiv „Signal in der Landschaft“. Im Verbindungsgang zur Realschule befindet sich das gestiftete Montage-Objekt, zusammengesetzt aus Abfallteilen der Farbenfabrik. Es „soll zur ästhetischen Bewusstseinsbildung vor allem der Schüler beitragen.“ (F. Stelzig)

 

Maximilian-Lutz-Realschule (1975)
“Das Gesamtthema ist in erster Linie formal-abstrakt, raumbelebend zu verstehen, wobei assoziativ die Motive Wasser, Wellen, Schiffahrtszeichen, Weinstöcke, Fluren, Blätter, Obst auftauchen, zusammengefasst symbolisch ‚Neckar- und Enzlandschaft’. Ausgeführt wurden diese Arbeiten in reliefgeschichteten, von Intarsienschneidern in Handarbeit vorgeschnittenen Holzflächen, die anschließend vom Kunstschreiner weiterverarbeitet und montiert wurden. Die einzelnen Flächen sind teils lackiert, teils in Teakholz naturbelassen. Ergänzt werden diese Flächen mit plastischen Kugel- und Halbkugeldrechselteilen.“ (Neckar- und Enzbote 5.9.75)

Rathaus (1976/77) und Verwaltungsneubau (1980)

Die denkmalgerechte Restaurierung des ab 1459 errichteten Rathauses wurde 1977 nach mehrmonatigen Arbeiten abgeschlossen.
“Die künstlerische Ausgestaltung im umgebauten Rathaus ist als Ergänzung des konsequent modernen Innenausbaus entwickelt worden.“ ... „Die Besigheimer können nun aufzeigen, dass sie wie in anderen Bereichen, auch in ihrem Rathaus nicht von gestern sind. Dass sie es verstanden haben, Vergangenheit, Tradition mit Gegenwart und Fortschritt zu vereinen. Dies trifft besonders auf den Wandteppich im kleinen Sitzungs- und Trauzimmer zu.“ ...
„Einen weiteren Farbakzent bildet die Ratssaal-Türgestaltung, die mit intarsierten, farbigen Holzreliefflächen innen und außen belegt wurde. Diese abstrakt-ornamentale Komposition hat als Hauptmotiv die ‚Begegnung’. Zwei sich begegnende Halbkreise, verschiedene Strukturen, Bahnen, Führungen, Kreise, Segmente sind Symbole etwa für Einwohner, Stadtrat mit Bürgermeister, Verwaltung sowie andere Gesellschaftseinrichtungen.“
„Zuerst aber sieht der Rathausbesucher am Eingangsportal die aus massivem Eichenholz geschnitzten Türgriffplatten, außen und innen. Hier ist die Verbindung Besigheim-Ottmarsheim durch die stilisierte Darstellung der Naturgemeinsamkeiten wie Obst, Wein und die Flüsse symbolisiert.“ (F. Stelzig)
1980 schloss sich die künstlerische Gestaltung der Eingangstüren des Verwaltungsneubaus als Variation des Hauptmotivs „Begegnung“ der Ratssaaltür an. „Dadurch wird eine gewisse Verbindung zwischen dem alten und neuen Bau erreicht.“ (F. Stelzig)

Stadthalle Alte Kelter (1989)

Der 1591 als Wirtschaftsgebäude der unteren Burg errichtete Bau diente bis 1973 noch der Traubenanlieferung und dem Weinausbau für die Mitglieder der Weingärtnergenossenschaft Besigheim , der heutigen Felsengartenkellerei.
1986 bis 1989 wurde das Keltergebäude von den Architekten der Rutschmann Gruppe, Stuttgart, zu einer modernen
Stadthalle umgebaut. Fred Stelzig entwickelte dazu die künstlerische Gesamtkonzeption. Die Umsetzung des Grundthemas „Festliches Motiv“ erfolgte unter seiner Leitung durch hochspezialisierte Handwerksbetriebe.
Die Fußbodenmosaiken im Foyer und im Großen Saal wurden in Natursteinmarmor mit silbrigen Quarziten ausgeführt und zeigen Blüten und Trauben als Symbol der alten Kelterfunktion. Sie erinnern aber auch an Neckar und Enz, an deren Hängen der Wein gedeiht. Das Bühnenportal im Großen Saal thematisiert in aufgedoppelten, intarsierten Reliefholzflächen mit aufgesetzten farbigen und versilberten Halbkugeln die „Erntekrone“. Der stoffintarsierte Bühnenschmuckvorhang sendet „Wellen“ – der Musik und der Flüsse.
Der Wandteppich im Treppenhaus symbolisiert „Blühendes“. Er ist handgeknüpft, teils gewebt mit eingezogenen Silberfäden und betont die behagliche, gastliche Atmosphäre der Stadthalle.
Die Eingangstür zum Kleinen Saal nennt Fred Stelzig „Einstimmung zum Wolkentanz“. Dahinter erstrahlt in der Deckenblende das „Firmament“, in der Balkonbrüstung braust „Der Mond durchs Neckartal“. Der Bühnenhintergrund – „Wolkenzug“ – in Escheholz ausgeführt ist in hellen Grautönen gebeizt, auch hier die versilberten oder farbigen Halb- und Vollkugeln.

Fußgängerunterführung der B-27-Ortsumfahrung (1989/90)

Im Zuge der Ortsumfahrung und Untertunnelung des Bergrückens zwischen Neckar und Enz wurde eine Querung der Bundesstraße 27 als Unterführung für Fußgänger und Radfahrer angelegt. Seit der Fertigstellung eine wichtige und hochfrequentierte Verbindung zwischen der Stadt und dem Schul- und Sportzentrum ‚Auf dem Kies’ im Neckartal.
Das Thema lautet „Vogel, Fisch, Wellen und Wolken“ – und ist gleichzeitig Relief statt trister Betonmauern. Fred Stelzig nennt seine auf 28 großen und 8 kleineren Architekturemailplatten realisierte Arbeit „eine abstrahierte, verfremdete Komposition, assoziativ erinnernd an den ehemals an dieser Stelle verlaufenden Neckar als farbig-heitere Belebung für die Passanten.“

Grundschule Ottmarsheim (1994)

Durch das Farbkonzept von Fred Stelzig hat die Stadt eine „Lernfabrik“ zu einem dem Kindesalter der Grundschüler entsprechenden spielerischen Lernumfeld gemacht. Dieses Konzept unterstützt die funktionale Architektur des Architekten Rolf Bayer, Besigheim. Durch Farbvorgaben für Fenster, Wände und Wandflächen und einen in farbigen Flächen mit stilisierten Buchstaben A, B, C und Ziffern 1, 2, 3 gestalteten Boden, ergeben sich für den Unterricht verwendbare Hinweise.

Abgegangene Gestaltungen

Immobile Kunst am Bau ist weit stärker den Gefährdungen des Zeitgeistes und Zeitgeschmacks ausgesetzt als mobile Kunst wie etwa Skulpturen oder Gemälde. So ist auch eine Reihe von Gestaltungen von Fred Stelzig in Besigheim der Notwendigkeit von Umbauten zum Opfer gefallen. 1957 betonte Bürgermeister Frohnmayer noch bei der Eröffnung der Filiale der Volksbank Besigheim besonders, „dass die Bank auch die lebendige, künstlerische Tradition der Malerstadt gesichert habe, durch den Auftrag der künstlerischen Wandgestaltung in der Schalterhalle an Fred Stelzig. Mit aparter, den modernen Stil des Hauses besonders betonender Keramik symbolisiere er Handwerk, Handel, Gewerbe und Landwirtschaft, dazu den Fleiß durch emsig schwirrende Bienen. Eine gute Wandaufteilung!“
Bei Umbauarbeiten im Bankgebäude Anfang der 1980er Jahre konnte das Kunstwerk nicht gesichert werden.
Ein ähnliches Schicksal ereilte das rund 9 qm große Bleiglasfenster „Münzverkehr“, das seit 1967 die Schalterhalle der Kreissparkasse geprägt hatte.
Auch die 1977 erstellte, ca. 19 qm große Intarsien-Holzreliefwand “Verheißung, Kreuz und Silberhimmel“ musste der neuen Gestaltung des Andachtsraumes im Robert-Breuning-Stift weichen.

 

FRED UND ANNELIES STELZIG | Werke im öffentlichen Raum | Exponate | Vita | Ausstellungen | Kontakte | Impressum | © 2013