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Am 9. 2. 1923 kommt Anneliese Bücking als zweites Kind des Elektrowerkmeisters Ferdinand Bücking und seiner Ehefrau, der Schneidermeisterin Frieda Bücking geb. Reichle in Besigheim zur Welt. Auf Drängen ihrer Mutter, die eine Damenschneiderei führt, erlernt Annelies, wie sie meist genannt wird, das Schneiderhandwerk.

 

Am 13. 4. 1923 wird Fred Stelzig als einziges Kind des Glas- und Porzellanmalers Alfred Stelzig und seiner Frau Franziska im sudetendeutschen Hundorf (heute Hudcov-Teplice, Tschechien) geboren. Nach dem Besuch der Volksschule in Hundorf und der Realschule in Teplitz-Schönau studiert er dank seiner zeichnerischen Begabung ab 1937 an der dortigen Staatlichen Fachschule für Keramik und verwandtes Kunsthandwerk.

 

1942 meldet sich Fred freiwillig zur Luftwaffe.

 

1943 wird Annelies in Posen zur Funkerin ausgebildet und anschließend nach Frankreich zu einer Nachtjagdeinheit abkommandiert. Dort lernt sie Fred kennen. Beide verlieben sich ineinander und verloben sich. Nach Kriegsende kehrt Annelies nach Besigheim zurück, Fred gerät bei der Verteidigung Berlins in Gefangenschaft.

 

Am 24. 8. 1945 wird er aus der russischen Kriegsgefangenschaft entlassen und kommt nach Besigheim, wo er in das Elternhaus seiner Verlobten in der Froschbergstraße 16 einzieht.

 

Am 13. 6. 1946 heiraten Fred und Annelies in Besigheim, ein Jahr später kommt das einzige Kind Sabine zur Welt. Während Annelies mit ihrem eigenen Schneideratelier die Familie ernährt, konzentriert sich Fred auf die Malerei. Erste Ölbilder und Aquarelle entstehen, vor allem Landschaftsbilder und Portraits.

 

Zwischen 1945 und 1950 schließt sich Fred einem Kreis von Dichtern, Literaten und Malern an, die sich unter anderem im Haus der Arztwitwe Irmgard Villinger in der Bahnhofstraße 17 treffen.
Zu ihnen gehören Richard Duschek, Gustav Zigan, Johannes Kalewe, Hermann Kiedaisch, Hermann C.W. Schütz, Karl Diemer und Elke Lazarraga. Obwohl Stelzig wie Duschek nicht selbst schreibt, gehört er dem Dichterkreis an, der sich in regelmäßigen Abständen trifft. Darüber hinaus pflegt er intensiven Kontakt zu Walter Strich-Chapell, einem Schüler Gustav Schönlebers, der insbesondere Landschaftsdar-stellungen der Schwäbischen Alb geschaffen hat.

 

Ab 1946 studiert Fred Malerei an der Freien Kunstschule Stuttgart, anschließend belegt er zwei Semester lang keramische Fächer bei Professor Heim an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart.

 

1949 wird er Mitglied im Verband Bildender Künstler e.V.

 

1950 macht sich Fred selbstständig und wird freischaffender Künstler, ein großes Wagnis, doch sein Mut wird belohnt. Er gewinnt mehrere Kunstpreise und kann 1952 erstmals in Besigheim ausstellen. Die Wanderausstellung „Kunst im Kreis Ludwigsburg“, die im Kameradschaftshaus in Besigheim Station macht, ruft großes Interesse in der Bevölkerung hervor und macht ihn bekannt.

 

Ab 1950 unternimmt er zahlreiche Studienreisen, unter anderem nach Italien, Frankreich, in die Schweiz, nach Holland, in die Türkei und die USA, nach Österreich, Griechenland und vor allem nach Finnland.

 

Ab 1954 beginnt Fred im heimischen Besigheim mit Keramik zu experimentieren. Dafür nutzt er gelegentlich, ab 1956 ständig, die Werkstatt des Besigheimer Keramikers Hermann Hoyler in der Hauptstraße 28/1 am Kelterplatz.Unterdessen malt und zeichnet er weiter, vor allem Portraits seiner Gönner und Auftraggeber, aber auch Landschaftsbilder. Sein Stil verfeinert sich. Daneben fertigt er Entwürfe für Keramiken und Wandgestaltungen.

 

1957 beteiligt er sich erneut an einer Wanderausstellung. Diesmal wird „Kunst in drei Kreisen“ im Besigheimer Kameradschaftshaus gezeigt. Im selben Jahr erhält er einen ersten großen Auftrag: die künstlerische Ausgestaltung der Schalterhalle der Volksbank Besigheim in der Bahnhofstraße 17.

 

1957 unternimmt Fred mit der gesamten Familie eine fünfwöchige Reise nach Finnland, um Annelies mit der „speziellen hochwertigen finnischen Wandteppichkunst“ vertraut zu machen. Fortan arbeiten beide gemeinsam. Er entwirft und liefert ihr einen Karton 1:1 und Annelies fertigt die Wandteppiche nach seinen Entwürfen. Schnell stellt sich heraus, dass die Wohnung in der Froschbergstraße 16 zu klein ist für zukünftige künstlerische Projekte. Ein neues Eigenheim mit Atelier wird gebaut. 1958 zieht die Familie in den Neckarblick 24 um.
Auch die Keramikwerkstatt am Kelterplatz, die er nun gemeinsam mit Fritz und Helga Göllner benutzt, erweist sich bald als technisch nicht mehr ausreichend und wird 1961 von Fred aufgegeben. Für größere keramische Ausführungen arbeitet er von nun an mit der Firma Majolika Nerbel & Co. in Mosbach zusammen. Für kleinere Arbeiten nimmt er Kontakt mit einer Münchner Keramikwerkstatt auf, die aufgrund seiner Anregungen besonders neuartige Glasuren entwickelt.

 

1967 entdeckt Fred bei einem Besuch der Keramikfabrik Steuler in Höhr-Grenzhausen den malenden Hilfsarbeiter Josef Wittlich. Er ist vom Stil Wittlichs und den schillernden, gleichmäßig aufgetragenen Farben so fasziniert, dass er beschließt, dessen Werke bekannt zu machen. Josef Wittlich gilt heute als Klassiker der Art Brut.
Ansehen und Anerkennung des Künstlerehepaars steigen nicht nur im heimischen Besigheim, wo zwischen 1961 und 1994 eine Vielzahl an künstlerischen Wand- und Raumgestaltungen entstehen, sondern auch im In- und Ausland. Fred beteiligt sich mit seinen Werken an nationalen und internationalen Ausstellungen und präsentiert Bilder, Kunstobjekte und Textilarbeiten in Einzelausstellungen.

 

Zwischen 1965 und 1978 werden Fred und Annelies gemeinsam mit zahlreichen nationalen Preisen ausgezeichnet: 1965 mit dem Staatspreis der Bayerischen Staatsregierung für Wandteppiche (München), 1966 mit dem Preis in der Ausstellung „Internationales Kunsthandwerk“ (Stuttgart), 1968 mit dem Staatspreis Baden-Württemberg für Wandteppiche und Wandkeramiken sowie 1978 mit dem Staatspreis Baden-Württemberg für Gobelins.
Für großformatige Wandgestaltungen reicht der Platz im heimischen Atelier bald nicht mehr aus. Von 1966 bis 1976 wird ein zusätzlicher Raum im Erdgeschoss des städtischen Wasserturms auf dem Ingersheimer Feld gemietet und 1969 die Werkstatt im Neckarblick durch ein Web-Atelier erweitert.
Um die große Nachfrage an künstlerischen Wandteppichen bearbeiten zu können, werden freie Mitarbeiterinnen beschäftigt. Zu ihnen gehören Hanne Schreier aus Besigheim, Monika Rieck aus Bietigheim, Christina Frey aus Löchgau, Sieglinde Beutenmüller aus Bretten und Ruth Körber aus Aidlingen. Sie alle sind bis heute mit ihren Werken in Besigheim vertreten und werden 1993 gemeinsam mit dem Künstlerehepaar geehrt.

 

1979 werden erstmals in einer Einzelausstellung im Besigheimer Rathaus neben frühen Arbeiten aus der Zeit von 1943 bis 1962 auch Objekte und textile Wandgestaltungen der Öffentlichkeit präsentiert.
Im selben Jahr zeigt das Bietigheimer Hornmoldhaus in einer Ausstellung Arbeiten aus „Atelier und Werkstatt“ des Künstlerehepaars. Besonders wichtig ist Fred und Annelies der Kontakt zum Publikum. Das Atelier wird wiederholt für Besucher geöffnet. Auch Rundfunk- und Fernsehteams sind stets willkommene Gäste im Hause Stelzig.

 

1986 zieht sich Fred bei einem Sportunfall eine Fraktur der Lendenwirbelsäule zu. Aufgrund der anhaltenden Rückenbeschwerden widmet er sich fortan wieder verstärkt der Malerei.

 

1993 erlauben zwei parallel stattfindende Ausstellungen in Ludwigsburg und Besigheim Rückblicke auf das Werk von Fred und Annelies. Während in Ludwigsburg in einer Retrospektive Werke aus den vergangenen 30 Jahren des Künstlers gezeigt werden, stehen in Besigheim neben frühen Werken von Fred auch die Ergebnisse des über 40-jährigen, gemeinsamen Schaffens im Mittelpunkt.

 

Am 13. 6. 2006 feiern Fred und Annelies Stelzig ihre Eiserne Hochzeit. Sie haben mehr als 60 Jahre lang eine Lebens- und Produktions-gemeinschaft gebildet.

 

Am 16. 7. 2006 stirbt Fred 83-jährig in seinem Haus im Neckarblick. Seine Asche wird unweit des elterlichen Urnengrabs auf dem Neuen Friedhof in Besigheim beigesetzt.

 

Am 30. 9. 2008 stirbt Annelies in ihrem Haus im Neckarblick. Ihre Asche wird neben der ihres Mannes beigesetzt.

 

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